Dead Man's Jest

Logbuch des Kapitäns 7

Schon seit Tagen liegen wir im Hafen von Port Peril und ich habe endlich die Gelegenheit, das Logbuch auf den aktuellen Stand zu bringen. Und gerade in diesen letzten Tagen bin ich oft gefragt worden, wie wir den Schatz von Sirius Wolfe schlussendlich an uns bringen und seiner selbstgebauten Hölle entfliehen konnten. Und immer habe ich geantwortet: Dank den Fähigkeiten meiner Offiziere. Denn »a damsel loved and lost« zeigte sich als furchteinflößende Geistererscheinung, die uns durch ihr schrilles Geschrei fast außer Gefecht gesetzt hätte. Die mächtige Stimme von Nummer eins und perfekt platzierter Pfeil von Fletcher machten der Dame jedoch bald den Gar aus. Bei ihren Überresten fanden wir ein Amulett mit einem Bild, das vermutlich Angelina und Lord Canessen zeigte, ganz sicher konnten wir uns allerdings nicht sein. Dazu passen würde jedoch der Geist hinter Tür Nummer zwei, der noch die Spuren eines rauen Kielholens zeigte – konnte dies Haru Safael, der Geliebte von Angelina gewesen sein? Hier wartete ein noch eindrucksvolleres Lenkrad auf uns, dessen brillante Falle von Juris geschickten Händen zielsicher entschärft werden konnte. Erst später sahen wir, dass er nur knapp einem gewaltigen Speer entgangen war, der sich sonst brutal durch ihn gebohrt hätte.
Hinter Tür Nummer fünf aber erwartete uns die eigentliche Herausforderung von Mancatcher Cove. Hier hatte Wolfe seine ganze Crew bestattet – 18 Gräber lagen vor einem unterirdischen Fluss vor uns und in diesem lag eine kleine Insel, über und über voll mit Schätzen Was soll ich sagen. Von unserem gloriosen Kampf kann Livia viel besser singen. Es wurde knapp und ganz abseits des Mythos der Bezebel muss ich sagen, wir mussten uns irgendwann ziemlich flott mit dem Schatz aus dem Staub machen. Neben Gold und Juwelen fanden wir meisterlich gefertigte Waffen für uns und unsere gesamte Crew und ein Set Ohrringe, mit denen sich meine Offiziere untereinander und ich mich mit ihnen allen verständigen kann. Und dann nahmen wir Kurs auf Port Peril auf, womit die eigentlichen Schwierigkeiten begannen.
Wir wussten, dass wir nur im Ford Hazard unser Letter of Marquee bekommen konnten, waren uns aber nicht sicher, wie. In etwa einem halben Jahr schien es eine so genannte Captains Regatta zu geben – bis dahin sollten wir also besser offizielle Piraten sein. Bislang hatte immer der Master oft he Gales gewonnen, aber weil dieser jetzt in der Jury ist, machten sich viele aufstrebende Kapitäne Hoffnungen. Es galt also, sich schnell in der Stadt zu etablieren. Also machten sich meine Offiziere direkt daran, alte Kontakte wiederherzustellen, abgerissene Fäden neu zu knoten oder echte Neuanfänge zu wagen. Juri zeigte sich sehr erleichtert, dass sein Schützling Jinx in seiner Abwesenheit ihr gemeinsames Unternehmen zu großem Erfolg geführt hat und Livia gewann im Sängerwettstreit im Drunken Kraken gegen Lady Gay N. Joy. Wie mir die beiden und Fletcher später berichteten, waren sie in dieses Etablissement gegangen, um die Hintergründe unserer Entführung zu lichten. Juri verfolgte Tanner, den Wirt, und Maise, deren Verbindung zur ganzen Sache mir noch nicht klar geworden ist. Auch wenn sich beide meinen Leuten gegenüber sehr versöhnlich zeigten, bleiben wir vorsichtig.
Ich muss auch auf jeden Fall notieren, welch große Veränderung Fletcher in Port Peril durchgemacht hat. Seit ich ihn kannte trug er immer die gleichen dunklen Sachen, verhielt sich immer gleich unauffällig und schien manchmal mit seiner Umgebung ganz zu verschmelzen. Als er mich also nach einem guten Schneider in der Stadt fragte, ging ich davon aus, er wolle sich einen neuen Satz schwarzer Hosen machen lassen. Doch als er von Agatha und Amelie wiederkam, sah er aus wie ein Flottenadmiral, jeder Zoll ein Mann der See und Gentleman. Und es scheint mir auch, als habe er in irgendeiner Form Frieden mit seiner Vergangenheit gemacht und wäre bereit, den Kampf zu den Cheliaxianern zu tragen, statt sich weiter vor ihnen zu verstecken. Jetzt wo wir auch ein wenig mehr über seine Geschichte erfahren haben, muss ich diesen Mut noch mehr bewundern. Livia hat sich unterdessen wieder mit ihren alten Kontakten in der Bardengilde in Verbindung gesetzt und die politischen Freundschaften, Feindschaften, die Konkurrenz und die unausgesprochenen Zusammenhänge, von denen sie mir nur andeutungsweise erzählt hat, lassen meine Ohren klingeln und meinen armen Kopf reichlich verwirrt zurück – und das, obwohl mein Vater seit meinem fünften Geburtstag neben höfischen Umgangsformen vor allem die Kunst der Politik in mich und meine Geschwister getrichtert hat! Vielleicht muss ich ihm dafür jetzt dankbar sein, auch wenn ich jede einzelne Tanzstunde, die ich besuchen musste, weiterhin für im höchsten Maße überflüssig halte.
Und wo ich schon bei meiner Familie bin – endlich habe ich Enuel wiedergesehen und mein Umkhulu hat sich nicht ein bisschen verändert – noch immer ist er voller Leben, voller Ideen und voller Großzügigkeit. Und noch immer schaut er im ›Dralle Törtchen‹ jeder drallen Kellnerin und jedem drallen Bäcker auf den ebensolchen Hintern. Es war eine wahre Freude, ihm von unseren Abenteuern und Erlebnissen zu erzählen und ich habe es genossen, wie seine Augen bei jeder neuen Wendung geleuchtet haben.
Was soll ich von unserer Erhebung in den Piratenstand erzählen? Es ging viel schneller und war zugleich viel aufwändiger, als ich dachte. Doch Stormlord Kurduk ist auch nur ein Pirat wie alle anderen – schöne Frauen, reiche Geschenke, sportliche Wettkämpfe und prunkvolles Zeremoniell waren alles, was es brauchte, um ihn zu überzeugen. Wir haben uns wirklich gut geschlagen, Fletcher ist wie ein Äffchen geklettert, Juri hat What’s Up Goldtooth beim Kartenspiel geschickt geschlagen, Livia unsere Geschichte in eine packende Ballade gepackt und ich habe hauptsächlich versucht, wie ein Kapitän auszusehen und nicht das falsche zu sagen.
Bei der großen Abendgala in Fort Hazard wurden wir also in den Kreis der Piraten der Inner Sea aufgenommen und direkt von unseren neuen Kollegen begutachtet. Der Master oft he Gales, Captain Pierce Jerrell und Captain Tessa Fairwind scheinen alle ihre eigenen Interessen zu verfolgen – wir müssen vorsichtig sein, vor welches Schiff wir uns spannen lassen. Pierce scheint ein guter Freund von Pegsworthy zu sein – vielleicht sind unsere Anliegen daher gar nicht so verschieden. Und wie sich später herausgestellt hat, kennen Tessa und Fletcher schon länger beruflich. Das macht sie einerseits zwar vertrauenswürdiger, andererseits ist ihre Rebellion gegen Kurduk beinahe schon zu offen, um sie zu einer sicheren Alliierten zu machen. Hier wird es wahrscheinlich in naher Zukunft ›Alles oder Nichts‹ heinßen.
Noch am selben Abend besuchte Livia das große Fest der Barden, wo sie anscheinend meinem Bruder getroffen hat. Gut für ihn, dass er sich so amüsiert! Wie ich es von meiner Nummer eins erwarte, gewann Livia auch bei dieser Feier souverän einen Sängerstreit und ich glaube, wenn wir hierblieben, hätte sie gute Aussichten in der Gilde. Ich kann nur hoffen, dass sie uns nicht für diesen Haufen tanzstundengebender Jonathans verlässt.
Am nächsten Morgen brachte uns Fletcher eine Einladung von Tessa auf ihr Schiff, die ›Luck of the Draw‹. Nach einigen Höflichkeiten erklärte sie uns, Cheliax sei kurz davor Port Peril anzugreifen und Barnabas habe in Port Peril angelegt. Ich weiß nicht, welche von beiden Nachrichten mich mehr beunruhigt. Wir haben mit einigen Vorbehalten, aber doch überzeugt einen Auftrag von ihr angenommen, die Hintergründe des möglichen Angriffs zu erforschen. Wir sollen nach Mutaku Isle in Quent segeln und dort im House of Stolen Lasses, dem Tempel der Calistia, einem Bordell (ziemlich verwirrend, ich weiß) nach der Hohepriesterin Dindrian fragen, die uns weitere Informationen geben könnte. Auch im Tempel oft he Hidden Name of Nogorbär, dem Reaper of Reputation, in Beach Comber of Bag Island könnten wir weiter kommen, sagt sie.
Unser Ziel ist dabei, einen Spion zu entlarven, der den Cheliaxianern Informationen über Piratenschiffe – besonders aus der Flotte von Captain Pegsworthy – zukommen lässt, zu enttarnen. Für die Lösung dieser Aufgabe hat sie uns 4.000 Goldstücke versprochen und eine magische Wetterkarte haben wir bereits als Geschenk von ihr erhalten. Wir stecken also mächtig tief drin in ihren Plänen, wo auch immer sie uns hinführen.
Als wir im Riptide Alehouse versucht haben, unsere Crew aufzustocken, kam es zu einem harten Kampf zwischen uns und Caulky Terroon, der Gespielin von Captain Harrington. Schlussendlich konnten wir sie jedoch an einem ruhigen Plätzchen gefangen nehmen…

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rabea_kohnen

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