Dead Man's Jest

Logbuch des Captains - 3

Logbuch der Bezebel, einundzwanzigster Eintrag des Kapitäns
Auch wenn es fast unglaublich scheint, ging unser Plan, dem cheliaxinischen Ungetüm von einem Schiff aus dem Weg zu gehen, fast ohne Schwierigkeiten auf. Wir haben trotzdem zugesehen, schnell ein paar Meilen zwischen uns zu lassen und so segelten wir eine ganze Weile grob Richtung Süde, bevor wir uns an die Planung unserer nächsten Schritte machten. Noch immer verfolgen wir das Ziel, uns einen Namen als Freibeuter zu machen, damit Captain Pegsworthy uns mit auf seinen glorreichen Zug gegen die Pest des falschen Todes mitnimmt.
Doch auch die Kombüse will gefüllt und die restlichen Schulden bei Rickety Squibb beglichen werden, mal ganz abgesehen davon, dass unsere Mannschafft mittlerweile so groß ist, dass volle Taschen für alle bedeutet, dass wir keine günstige Gelegenheit auslassen dürfen. Ich weiß ehrlich nicht mehr, wer zuerst die Idee hatte Richtung Tidewater Rock zu segeln und muss sagen, dass mir auch im Nachhinein noch nicht ganz klar ist, ob wir jemals einen guten Grund dafür hatten. Aber so scheint es auf See manchmal zu sein – sich treiben zu lassen führt einen an die interessantesten Orte.
Winward Isle ist sicherlich einer davon, obwohl wir bislang nur Tidewater Rock, die Piratenfestung über der Lagune, gesehen haben. Die Herrin der Burg, Agasta Smythee, hat uns überraschend freundlich empfangen und meine Offiziere und mich großzügig bewirtet. Das feine Porzellan, die üppigen Lüster und grazilen Weinkelche – fast erschien es mir, als wäre ich wieder in Port Peril und zu Gast bei Lady Grace Winwood, die immer leicht nach Mottenkugeln roch und deren Dinnerparties das absolut Langweiligste waren, was ich mir vorstellen kann. Doch auch wenn den Kartoffeln etwas Salz fehlte, ist die Lady oft he Rock dem alten Holzwurm in keiner Weise ähnlich. In ihren Augen funkeln Neugierde und Misstrauen um die Wette, ihre Haltung und scharfer Ton sprechen von langen Jahren, in denen niemand ihre Befehle in Frage gestellt hat. Doch im Laufe des Essens wurde die Stimmung zunehmend entspannter und sogar der strenge Seargant Royster McCleagh schien mir sein Misstrauen uns gegenüber nach und nach abzulegen.
Bald schon fanden wir heraus, dass wir in Barnabas Harrington einen gemeinsamen Feind haben, denn eben dieser hat Agastas Ehemann Iron Bert Smythee gemeinsam mit Carola Antiochus in den Tod gelockt. Doch den Felsen konnte Harrington unserer Gastgeberin nicht entreißen, auch wenn mir scheint, dass sie mit ihrer Unbeugsamkeit einen goldenen Käfig für sich selber erschaffen hat.
Vielleicht fiel es uns auch deshalb nicht schwer, ihre Gunst mit Musik und Geschichten, mit Neuigkeiten und verrückten Plänen zu gewinnen. Noch am gleichen Abend sprachen wir über eine Allianz zwischen der Bezebel und dem Rock. Agasta schlug sogar vor, diese mit einer Ehe zu besiegeln. Was folgte war ein seltsam stiller Moment, in dem unser diplomatischer Erfolg spürbar auf der Kippe stand. Mein Blick ging im Saal herum und blieb an Juri hängen. Das Alter schien mir ganz gut zu passen und es stand auch nicht zu befürchten, dass er uns für eine wilde Romanze leicht verlassen würde. Was soll ich sagen, wenig später schon stießen wir auf die Verlobung an und der Abend endete in einem schwungvollen Tanz.
Am nächsten Tag hatten wir die Lady und ihren Hofstaat auf die Bezebel gebeten. Obwohl sie wohl schon so manches Schiff gesehen hat, schien ihr unser Mädchen zu gefallen. Und unser alter Junge stieß auch noch bei Tageslicht auf ihre Zustimmung. Seit ein paar Stunden schuftet, singt und flucht Ambrose in der Kombüse um die perfekte Hochzeitstorte für Agasta und Juri zu backen. Der Rest der Mannschaft richtet das Schiff für die Feier heute Abend her und die Stimmung an Board ist ungewohnt fröhlich, fast schon überschwänglich. Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, was Juri von seinem Glück hält und ob der zukünftige ‚Lord oft he Rock‘ seiner Hochzeitsnacht mit Freuden entgegensieht – wir alle haben eine grandiose Feier verdient.

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rabea_kohnen

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