Dead Man's Jest

Logbuch des Kapitäns - 1

Logbuch der Bezebel, erster Eintrag des Kapitäns
Kapitän. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, denn alles ging so schnell. Noch vor wenigen Tagen waren wir Gefangene, die ständig um ihr Leben fürchteten – jetzt sind meine Freunde und ich Besitzer eines Schiffes. Rickety Hake hat unsere Bezebel mit seinen Jungs ordentlich überholt und in seinem kleinen Nest haben wir auch das eine oder andere Mitglied für unsere neue Besatzung gewinnen können. Noch viel besser aber war unsere glückliche Begegnung mit Captain Pegsworthy, der eine Piratenflotte zum Kampf gegen Cheliax zusammenstellt. Welch ein Wink des Schicksals! Heute laufen wir aus dem Hafen und Rickety’s Squibb, um unsere erste Herausforderung zu suchen. Es wäre doch gelacht, wenn wir uns nicht einen furchterregenden Ruf erwerben können, um mit Pegsworthy segeln zu können.
Logbuch der Bezebel, zweiter Eintrag des Kapitäns
Was schreibt man eigentlich in so ein Logbuch? Zur Anleitung liegt mir nur das Exemplar meines Vorgängers der Rahadoumi vor und ich muss sagen, das war ein wirklich trübsinniger Geselle. Aber was soll ich sagen? Die See ist ruhig, die Sonne scheint und noch kein Schiff zum Kapern in Sicht.
Logbuch der Bezebel, dritter Eintrag des Kapitäns
Das erste Schiff, das wir kapern und direkt ein großer Fisch. Der Kampf war hart, die Beute reich… aber anscheinend haben wir uns direkt mit dem Aspis Konsortium angelegt. Das wird noch Ärger geben, befürchte ich. Andererseits aber wollen wir ja als Piraten gefürchtet werden und das wird nicht gehen, ohne sich auch ein paar Feinde zu machen.
Logbuch der Bezebel, achter Eintrag des Kapitäns
Ich bin stolz auf meine Crew, denn wir haben heute unseren ersten Kampf gegen Cheliax gewonnen und dabei die Besatzung eines stolzen Piratenschiffes gerettet. Es ging einfach alles glatt und so langsam glaube ich, dass wir tatsächlich Erfolg haben könnten.
Logbuch der Bezebel, zehnter Eintrag des Kapitäns
Heute sind wir in Port Senghor gelandet, um unsere Ladung zu löschen und das von den Cheliaxianern erbeutete Schiff zu verkaufen. Der Tag verging schnell und sehr angenehm. Mit Livia, Juri und Fletcher an Land hatten wir schnell eine kundige Führerin in Liane gefunden und in der Blauen Auster war das Essen eine willkommene Abwechslung, obwohl Fishguts so langsam zu echter Hochform aufläuft. Diese Liane gefällt mir ausgesprochen gut und wir sollten versuchen, sie für unsere Crew anzuwerben. Schnell hatte sie ein paar Händler an der Hand, die uns ein Angebot für unsere ganze Ladung machen sollen. Nur, was wir mit dem erbeuteten cheliaxianischen Schiff machen, weiß ich noch nicht.
Livia hat schnell einen älteren Herrn gefunden, der ihr nicht nur die Drinks spendierte, sondern auch zum Rat der Stadt gehört. Kein Wunder, dass meine findige Nummer Eins sich für eine Privatvorführung später am Abend engagieren ließ. Noch immer ist sie noch nicht zurück und ich vermute, dass sie nicht nur mit vollen Taschen, sondern auch mit neuen Informationen und Geschichten zurückkommen wird. Ich bin sehr froh, dass ich sie an meiner Seite weiß, denn sie hat mit Menschen ein Händchen, das mir völlig fehlt. Manchmal frage ich mich, warum sich die Crew so schnell mit einem jungen Mädchen an ihrer Spitze arrangiert hat. Und dann hoffe ich, dass ›Captain Storm‹ sie nicht enttäuscht.
Logbuch der Bezebel, elfter Eintrag des Captains
Noch als ich den letzten Eintrag schrieb, einen Becher guten Rum neben mir und schon im Nachthemd, klopfte es an meiner Tür. Als ich die Tür öffnete und Juris entsetztes Gesicht sah, verflog jeder Ärger, der sich vielleicht bemerkbar gemacht hatte, sofort. Mein Bootsmann war zwar mächtig angetrunken, aber ganz offensichtlich auch in echter Not. Nachdem Ambrose und ich ihm einen starken Kaffee eingeflößt hatten, begann seine Geschichte langsam Sinn zu machen:
Er und Fletcher seien schnurstracks ihres Weges gegangen und hätten nur kurz gehalten, um eine Laterne zu entzünden, als sie von acht starken Männern angegriffen worden wären. Er selber habe fliehen können, aber Fletcher hätten die Kerle mitgenommen. Geistesgegenwärtig war Juri ihnen geschützt von Unsichtbarkeit gefolgt und konnte uns das Haus, in dem sie unseren Freund gefangen hielten erstaunlich gut beschreiben, wenn man seine Verfassung bedenkt.
Mein luftiger Gefährte Arthur konnte uns nach einem kleinen Erkundungsflug ziemlich genau beschreiben, womit wir es zu tun hatten, und schon machten wir uns an das Austüfteln eines Plans. Livia fehlte uns dabei und auch Knuckles war noch in der Stadt unterwegs, aber uns war klar, dass wir das Aspis Konsortium, das sich hier an uns rächen wollte, genau richtig anfassen mussten. Fletchers Leben durften wir nicht gefährden, unseren Ruf als mächtige Piraten – der doch gerade erst zu erblühen beginnt – nicht gefährden und dennoch versuchen, unsere Feindschaft zu dieser einflussreichen Gruppe in etwas anderes zu verwandeln.
Der erste Teil des Plans war simpel: Juri und ich schleichen uns unsichtbar in das Haus des Konsortiums und befreien Fletcher schnell und unauffällig. Der zweite Plan war sehr viel riskanter, aber ausgesprochen lohnenswert: Am nächsten Morgen würde ich als Kapitän, begleitet von meiner charmanten Nummer Eins und meinem starken Steuermann im hellen Tageslicht zurück an den Ort des Geschehens gehen und das örtliche Oberhaupt des Konsortiums nach draußen bitten. Auf eine Entschuldigung (ein wenig süffisant) sollte ein Klarstellen unserer Macht folgen (schlicht und einfach), gefolgt von einem Geschenk, das an Großzügigkeit seines gleichen suchen soll. Die Flagge des Konsortiums lagert schon am Mast des cheliaxianischen Schiffes. Wenn alles gutging, sollte Fletcher sie am nächsten Mittag im genau richtigen Moment hissen…

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rabea_kohnen

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