Dead Man's Jest

Logbuch des Kapitäns - 5

Mein Großvater liebte Rätsel, er kannte eines für jede Himmelsrichtung, und jede Jahreszeit. Er kannte Rätsel mit Katzen, Rätsel zum Lachen, magische Rätsel und natürlich vor allem solche, die die Kinder nicht verstehen und die jungen Damen rote Flecken auf die Wangen zauberten. Manchmal glaube ich, er hat nur deshalb begonnen, so viel Zeit mit dem Schamanen Iskaa zu verbringen, weil dessen Schatz an Rätseln noch größer war als der von Opa Enuel. Wie sehr ich wünschte, die beiden wären jetzt bei mir! Nicht nur, weil ich jeden von ihnen nach wie vor schmerzlich vermissen, sondern auch, weil sie sich sicher im Handumdrehen einen Reim auf diese eigenartige Insel zu machen wüssten.
Nachdem wir die Meuterei an Board der Bezebel verhindert hatten, setzten wir wieder Kurs auf Mancatcher Cove. Die Insel, die wir als Ziel ausgemacht hatten, ließ sich leicht umrunden und auch von den tückischen Klippen, die wir erwartet hatten, fand sich nichts. Stattdessen segelten wir in eine außergewöhnlich tiefe aber ebenso friedliche Schlucht und selbst ein kurzer Flug durch das Blätterdach über uns lieferte keinen Grund zur Besorgnis. Vielleicht muss ich aber auch einfach noch lernen, besser hinzusehen.
Während der ersten Wache – ich saß gerade bei einem kleinen Glas Wein über unseren Notizen – ertönte ein lauter Schrei. Ich stürzte nach draußen und fand die Crew bereits in heller Aufregung. Es dauerte eine Weile, bis ich mir einen Überblick verschafft hatte. Ein seltsames mistelähnliches Baumwesen schien mit seinen langen Tentakeln Mitglieder meiner Crew zu sich hoch in die Wipfel zu ziehen! Badger und der von uns allen über die Maße geschätzte Greg der Tätowierte landeten in seinen Fängen. Natürlich stellten wir uns entschlossen zur Wehr. Meine Nummer eins war wie immer sofort ganz vorne im Kampf und ließ sich von dem unbekannten Wesen in sein Nest ziehen, Juri und Fletcher ließ ich fliegen und folgte ihnen nach. Wir beschossen das Wesen mit unserer Harpune, schlugen es mit unseren Säbeln und konnten schließlich in die Knie zwängen. Badger überlebte mit knapper Not, doch Greg den Tätowierten werden wir bei so vielen Gelegenheiten schmerzlich vermissen. Ich weiß nicht, ob die Crew ohne ihn jemals das Gleiche sein kann.
Am nächsten Morgen machten wir uns daran, Mancatcher Cove ihre Geheimnisse zu entreißen. Unweit von uns entdeckten wir bei Sonnenaufgang einen in den Felsen gehauenen Totenkopf und machten uns zu einer Expedition in sein rechtes Auge auf. Hatten wir doch auf dem Rücken der Lady gelesen: »From blue bight’s embrace / Spy the Grave Lady’s prize tooth / With the Dawn Flowers’s first kiss / Climb the Captain’s wayward orb / To claim old king’s hoard.« Da wir wussten, dass Wolfe an Stelle seines rechten Auges ein Glasauge trug, schien die Sache glasklar und wir waren gewiss, mit einem großen Schatz zu unserer Mannschaft zurück zu kehren.
Doch die Sache wurde sehr viel schwieriger, als wir gedacht hatten. Die Höhle hinter der Augenöffnung führte uns mitten auf die Insel. Nachdem wir einigermaßen ratlos auf die Landschaft aus Seen, Bergen und Wäldern geblickt hatten, die sich malerisch vor uns ausbreitete, half uns ein erneutes Studium der Hüfte der Lady weiter. Dort fanden wir mehrere codierte Zeichenreihen, die nach einigem Knobeln Sinn für uns ergaben: »From the dead tree in the swamp to south half way to mount Dragon. Stop where you cross the road is he holy nut.«
In der Ferne konnten wir einen markanten Baum erspähen, der offensichtlich nicht nur besonders alt, sondern auch schon besonders lange tot zu sein schien, und in der Mitte zwischen diesem und einem relativ hohen Berg schien eine alte Wegkreuzung zu liegen. Natürlich machten wir uns sofort in diese Richtung auf. Es wäre doch gelacht, wenn wir den Schatz des alten Wolfe nicht in unseren Besitz bringen könnten….

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rabea_kohnen

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